Bildungsstrategie für deutsche Volksgruppe und Heimatvertriebene?

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Zum Ende des Jahres blickt die AGMO e.V. - Gesellschaft zur Unterstützung der Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen zurück auf die zahlreichen Initiativen zur Stärkung der deutschen Volksgruppe, Bewahrung der deutschen Identität und damit untrennbar verbunden der deutschen Muttersprache. Um die deutschen Minderheitenrechte in der Republik Polen ist es der Gesetzeslage nach gut bestellt (polnisches Minderheitengesetz und polnische Bildungsverordnung).

In der Realität sieht es leider immer noch anders aus. Deutsche Kindergärten und deutsche Grundschulen sind nicht vorhanden und werden derzeit weder von der gewählten Vertretung der deutschen Volksgruppe noch von der deutschen sowie polnischen Regierung explizit angestrebt.

Positive Signale in 2009 weisen Ziele für 2010

Obwohl es im Jahr 2009 seitens der AGMO e.V. zahlreiche Informationsinitiativen an die Bundeskanzlerin, Minister sowie Abgeordnete gegeben hat, sind in der Angelegenheit der flächendeckenden Kindergärten und Grundschulen nur bescheidene Ergebnisse vorzuweisen.

Im Spätsommer wurden zunächst einige Samstagsschulen eingerichtet, um mit der deutschen Sprache zugleich deutsche Identität zu vermitteln (AGMO-Intern 5/2009). Im Juli 2009 hatte der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Christoph Bergner, der AGMO e.V. mitgeteilt: „Der Erhalt der deutschen Sprachbindung unter den Deutschen Minderheiten im Osten bedarf verstärkter Anstrengungen. Dabei wird eine Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache im Rahmen des Schulwesens den kulturellen Bedürfnissen der Deutschen Minderheit nur unzureichend gerecht. Es geht nicht nur um Deutschkenntnisse als Verständigungsmedium, sondern um deutsche Sprachbindung als wichtigste identitätsstiftende Grundlage.“ Zur praktischen Umsetzung wurde ausgeführt: „Es wird wichtig sein, daß (...) von dem relativ großen Etat der Auswärtigen Kulturpolitik ein definierter Betrag der Sprachpflege der deutschen Minderheit gewidmet und nach eigenen Konzepten eingesetzt wird.“ Neben diesen „allgemeinen“ Aussagen hob er ausdrücklich Fortschritte hervor und wies damit in die Zukunft: „Im Sinne einer identitätsstabilisierenden Sprachbildung in Oberschlesien gibt es gegenwärtig kleine, aber hoffnungsstiftende Ansätze wie die Aktivitäten des Vereins ‚Pro Liberis Silesiae’. Dieser Verein bemüht sich, in Raschau einen bilingualen Kindergarten und eine bilinguale Schule aufzubauen. (...) Ich habe das Institut für Auslandsbeziehungen gebeten zu prüfen, ob diese Ansätze nicht als Pilotprojekte gelten können und von daher eine besondere Förderung verdienen“. Die Tätigkeit des Vereins führte zur Übernahme einer Schule mit angegliedertem Kindergarten, die Anfang September 2009 mit einer ersten zweisprachigen Schulklasse begann. Bundeskanzlerin Merkel äußerte beim Kongreß „Wandel durch Erinnerung“ in Berlin am 18.03.2009: „Wir wollen vor allen Dingen helfen, die Identität der deutschen Minderheiten zu stützen und ihre Sprache und ihre Kultur zu bewahren – auch über Generationen hinweg.“ Auf ein Schreiben der Frauenreferentinnen der Landsmannschaft Schlesien an die Bundeskanzlerin wurde im Oktober 2009 aus dem Bundeskanzleramt geantwortet: „Wünsche nach weitergehender Förderung können durch die in lokalen und regionalen Entscheidungsgremien vertretenen Repräsentanten der deutschen Minderheit artikuliert werden. Dies betrifft auch die von Ihnen angesprochene über die Sprachförderung im bilingualen Rahmen hinausgehende Frage der Einrichtung eigener deutscher Schulen und Kindergärten. (…) Nochmals vielen Dank für Ihre Anregungen, die in unsere Überlegungen für die nächsten deutsch-polnischen Konsultationen einfließen werden.“

Die zahlreichen Ermunterungen aus dem Regierungslager lassen zumindest vermuten, daß die Informationsarbeit der AGMO e.V. nicht ganz umsonst gewesen ist. Mancherorts sind Anzeichen für einen Bewußtseinswandel erkennbar.

Fröhliche Erstklässler bei der Einschulung in die neue zweisprachige Grundschule im Bezirk Oppeln in Raschau

Aufgaben für BdV und Landsmannschaften

Leider ist es derzeit noch so, daß zahlreiche Vertreter von BdV und Landsmannschaften das Hauptproblem der Heimatverbliebenen kaum beim Namen nennen, bzw. nicht deutlich gegenüber den politischen Vertretern der Bundesrepublik thematisieren, daß es in der Republik Polen weiterhin keine deutschen Kindergärten und Grundschulen für die Kinder der deutschen Volksgruppe gibt. In der Regel wird derzeit nur von einem unzulänglichen Deutschunterricht gesprochen, was hauptsächlich zu einer Verschleierung des Problems führt. Erfreulicherweise hat die Informationsarbeit der AGMO e.V. jedoch auch in diesem Bereich zu einer kleinen Wende geführt, wozu die Entschließung des BdV vom 18.03.2009 zu zählen ist. Vom BdV-Landesverband Niedersachsen war ein Antrag zur Unterstützung der heimatverbliebenen Deutschen bei der Einrichtung eigener Kindergärten und Grundschulen in die BdV-Bundesversammlung eingebracht und verabschiedet worden. Es bleibt zu hoffen, daß diese Entschließung vom BdV-Bundesverband und den Landsmannschaften als gute Grundlage wahrgenommen wird. Peter Oprzondek, Vorsitzender der AGMO e.V., ist davon überzeugt, daß nur eine starke und dauerhaft fortbestehende ostdeutsche Volksgruppe die in den zurückliegenden Jahrzehnten geleistete Arbeit der Landsmannschaften vor Ort fortführen kann.

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Die gemeinnützige Gesellschaft wurde 1980 als Arbeitsgemeinschaft Menschenrechtsverletzungen in Ostdeutschland (AGMO) gegründet.
Die AGMO e.V. wurde im Jahre 1990 in das Vereinsregister eingetragen.