Niemals geht man ganz! „Die AGMO e.V. ist die Stimme der Deutschen in Oberschlesien.“

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Während der außerordentliche Mitgliederversammlung der AGMO e.V. am 10. September 2016 wurde die Auflösung unserer Gesellschaft beschlossen. Dieses Verfahren wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, in der wir Ihre Unterstützung weiterhin benötigen.

Der Vorstand der AGMO e.V., den zu führen ich fünfeinhalb Jahre die Ehre hatte, versichert, dass nach Abschluss des Auflösungsverfahrens noch vorhandene Spendengelder selbstverständlich gemäß unserer Satzung einer anderen Organisation im ostdeutschen Bereich zur Unterstützung von Projekten des Deutschen Freundschaftskreises (DFK), dies schließt das AGMO-Archiv in der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne ein, zugute kommen werden.

Wir befinden uns in der glücklichen Lage, mit Tilman Fischer nicht nur einen überaus engagierten stellvertretenden Vorsitzenden der AGMO e.V. in unseren Reihen zu wissen. Darüber hinaus ist er stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Westpreußen. Dieses Vertrauensverhältnis gestattet es uns, dieser Landsmannschaft neben der zukünftigen Verantwortung für das AGMO-Archiv auch Kontaktdaten sowie ein eventuell vorhandenes Restvermögen zu übertragen. Die Spendengelder und entsprechenden Verteiler werden, vertraglich gesichert, dazu dienen, unser Archiv wissenschaftlich zu erschließen und DFK-Projekte weiterhin zu fördern.

Wir haben über anderthalb Jahre um eine Fusionslösung gerungen. Anlass dafür war die Erkenntnis, dass die Spendeneingänge zukünftig nicht mehr ausreichen würden, die Kosten der Projektarbeit trotz deutlicher Kostenreduzierung für die Geschäftsstelle zu decken. Viel Zeit und Mühe sind in dieses Projekt investiert worden. Leider mussten wir erkennen, dass diese Lösung nicht optimal umsetzbar gewesen wäre. Daher haben wir im Juli 2016 beschlossen, den Weg der Auflösung zu beschreiten.

Seitdem die Einladungen zur außerordentlichen Mitgliederversammlung verschickt wurden, erhielten wir zahlreiche Rückmeldungen unserer Mitglieder. Durchweg bedauerten die Absender das Ende unserer Menschenrechtsorganisation. Vor allem der Verlust, der für die deutsche Volksgruppe in der Republik Polen drohe, bewegte die Absender. Die AGMO e.V. ist sehr dankbar für den Zuspruch und so bedauerlich es sein mag, aus diesen Zusendungen schöpfen wir die Hoffnung, dass das Vermächtnis der durch Peter Oprzondek 1980 gegründeten Arbeitsgemeinschaft fortbestehen wird.

Die prägende und für die Entwicklung der AGMO e.V. maßgebliche Person war und wird stets Peter Oprzondek bleiben. Ohne ihn, seine Idee, seine unzähligen Stunden der Arbeit hätte aus der AGMO e.V. innerhalb der letzten über 35 Jahre nicht eine der erfolgreichsten und schlagkräftigsten Organisationen zur Unterstützung der Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen werden können. Aber auch er brauchte Unterstützer wie unsere Büroleiterin Hannelore Gustorf und unseren Schatzmeister Prof. Dr. Dr. h.c. Ralf Ebeling. Es war seine Fähigkeit, Menschen zu sammeln, was die Tätigkeit der AGMO e.V. auf rein spendenfinanzierter Basis ermöglichte. Es war auch die Weitsicht, rechtzeitig seine Aufgaben jüngeren AGMO-Mitgliedern anzuvertrauen, die bis jetzt den Fortbestand unserer Gesellschaft ermöglichte. Im Jahr 2011 kam es zu einem Generationenwechsel. Der neue Vorstand, begleitet von erfahrenen Mitgliedern, konnte wesentliche politische Akzente setzen. Wir trafen und gewannen unter anderem Bundestagspräsident Prof. Lammert für unsere Arbeit.

Wir erreichten es als erste Organisation, die Anliegen der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen im Rahmen eines Vortrags im Europaparlament in Straßburg vorzubringen. In mehreren Aufsehen erregenden Kampagnen konnte die einzige zweisprachige staatliche Grundschule in Oberschlesien, die „Grundschule Nr. 5 für die deutsche Minderheit in Ratibor-Studen“, gerettet und ebenso der Fortbestand der Radioredaktion „Mittendrin“ in Ratibor gesichert werden. Immer wieder bemerkten wir, wie an entscheidenden Punkten und in der regelmäßigen Projektarbeit Vorbehalte seitens mancher (verbands-) politischer Entscheidungsträger gegenüber unserer Organisation ein Vorankommen zum Wohle der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen behinderten. Oftmals war es so, wie an den Beispielen der Grundschule in Ratibor-Studen und der Radioredaktion Mittendrin deutlich wird, dass man die Verweigerung grundsätzlicher Rechte und Ansprüche der Deutschen östlich von Oder und Neiße gleichgültig mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nahm.

Unser größter Erfolg bleibt das durch ein sechs Jahre währendes Petitionsverfahren erreichte Bekenntnis der Bundesregierung, formuliert durch den Beauftragten für Aussiedler und nationale Minderheiten, den Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, wonach die Einrichtung deutscher und bilingualer Kindergärten und Schulen für die Kinder der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen wesentlicher Bestandteil der deutsch-polnischen Konsultationen sei. Damit, die Position der Bundesregierung wesentlich verändert zu haben, ist für die AGMO e.V. ein wichtiges Ziel des eigenen Auftrags erreicht worden. Das ist unser politisches Vermächtinis. Nun müssen andere Verantwortliche damit umzugehen wissen.

Was bleibt menschlich bestehen? Es sind die Verbindungen zu den Deutschen in der Heimat, die weit mehr als nur projektgebundene Zusammenarbeit bedeuten. Sie manifestieren sich in Worten des Dankes und der Anerkennung, wie etwa durch Martin Buballa, ehemaliger Vorsitzender des DFK in Ruda O/S: „Noch einmal vielen Dank für die sehr gute Zusammenarbeit und Eure Liebe zu der längst vergessenen Heimat – Oberschlesien! Die deutschstämmigen Oberschlesier sind Euch dafür sehr dankbar!“

Oder auch in der zutreffenden Feststellung eines der ersten Aktivisten der Deutschen in Oberschlesien Hubert Beier: „Also ich kann nur sagen, dass die Arbeit der AGMO e.V. den Deutschen hier in Oberschlesien aus der Seele spricht. Ihr sagt das, was wir hier denken! Die AGMO e.V. ist die westdeutsche Stimme der Deutschen in Oberschlesien. Eure Arbeit vor allem für die deutschen Kinder in Oberschlesien ist bei den Deutschen an der Basis hoch angesehen.“

Wir hoffen und wünschen, dass das Echo dieser Stimme noch lange widerhallen wird und verbleiben mit dankbaren Grüßen

Ihr Dr. Tobias Körfer
-Vorsitzender der AGMO e.V.-

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Die gemeinnützige Gesellschaft wurde 1980 als Arbeitsgemeinschaft Menschenrechtsverletzungen in Ostdeutschland (AGMO) gegründet.
Die AGMO e.V. wurde im Jahre 1990 in das Vereinsregister eingetragen.