Sicherung des AGMO-Archivs

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Im September 2016 wird die AGMO e.V. ihre 36 Jahre währende Tätigkeit für die Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen, die nach 1945 in den Machtbereich der Volksrepublik/Republik Polen geraten sind, beenden.

Über die Gründe des Vorgangs wird die AGMO e.V. noch in einem September-Rundschreiben an die Mitglieder und Spender sowie auf ihrer  Internetseite ausführlich berichten.

In meinen Ausführungen will ich noch auf einen anderen wichtigen Aspekt unserer langen Tätigkeit hinweisen, nämlich auf die Problematik der Dokumentation und Archivierung der vielen Vorgänge, die bei einer solchen langen Tätigkeit allgemein entstehen.

Dabei gibt es viele Aspekte, auf die man sich bei der Archivierung konzentrieren könnte. Um es aber nicht ausufern zu lassen, haben wir uns bei dieser Dokumentation auf  den eigentlichen Grund der Entstehung der Organisation beschränkt: nämlich aufzuzeigen, daß in dem oben genannten territorialen Bereich auch nach der Vertreibung noch genug Deutsche lebten, die man von der Anzahl her als zusammenhängende deutsche Volksgruppe identifizieren und nach den international sowie europäisch bestehenden menschenrechtlichen Prinzipien hätte betreuen müssen.

Insbesondere deshalb, weil die Volksrepublik/Republik Polen unentwegt die Existenz der Deutschen (Minderheit) in ihrem politischen Bereich leugnete und die Bundesrepublik Deutschland nicht energisch genug dieser Leugnung auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene laut widersprochen hat.

Auch noch 1980, als der Gründungsprozeß der AGMO im Bereich der Schlesischen Jugend begann, wurde man oft mit der Vorstellung konfrontiert, daß dort nicht mehr genug Deutsche lebten, die man für eine menschenrechtliche Betreuung ansprechen könnte.

Diese Haltung war nicht nur im Bereich der seinerzeit agierenden menschenrechtlichen Organisationen üblich, sondern auch bei den  landsmannschaftlich organisierten Vertriebenen, wo oft die abfällige Bezeichnung „Optanten“ grassierte, anzutreffen.

Bei der Zusammenstellung der Dokumente und Vorgänge geht es deshalb vorrangig um Unterlagen, die aufzeigen, daß in allen an die Volksrepublik Polen gefallenen ostdeutschen Provinzen bereits schon damals ein reges „deutsches“ Leben existierte.

Insbesondere nicht nur die dokumentierte Opferbereitschaft und das Engagement der ostdeutschen Aktivisten gibt Zeugnis über den Zustand der deutschen Volksgruppe während dieser Anfangszeit, sondern auch das umfangreiche Bildmaterial zeigt  deutlich, wie groß die Teilnahme der Kinder- und der Jugendgeneration an den kulturellen Veranstaltungen des Deutschen Freundschaftskreises (DFK) in der Regel war.

Das zusammengestellte Material wurde  am 25.04.16 an die Martin Opitz Bibliothek (MOB, 44623 Herne,Berliner Platz 5) - auf der Grundlage eines Schenkungsvertrages - übergeben. Dort werden die Dokumente dauerhaft unter Archivstandards fachgerecht aufbewahrt und in absehbarer Zeit einer wissenschaftlichen Erschließung zur Verfügung gestellt.

Das  Material, das ca. 46 Kartons mit je 10 Ordnern umfaßte, wurde Seite für Seite gesichtet, auf der Rückseite der Ordner nach Inhalt beschriftet und in einer Excel –Tabelle numeriert aufgelistet.

Es muß nochmals hervorgehoben werden, daß es sich bei dem einmaligen Material in erster Linie nicht um Dokumente handelt, die die Arbeit der AGMO e.V. dokumentieren sollen, sondern das Material soll vorwiegend den Zustand der Volksgruppe sowie auch den Willen oder Unwillen zur menschenrechtlichen Unterstützung seitens der Bundesrepublik Deutschland und der Bevölkerung dokumentieren.

Der dokumentierte Zeitraum umfaßt insbesondere die Jahre 1980-1992; durch  die Hinzufügung der DFK-Ortsgruppenordner sowie der Projektunterlagen und AGMO-Intern, wird aber auch der übrige Zeitraum deutlich behandelt.

Wegen der Entstehungsgeschichte des Archivs war es zum Schluß bei der Zusammenstellung des Materials leider nicht mehr möglich, eine zeitliche Chronologie einzuhalten. Es ist aber zu hoffen, daß die der MOB zur Verfügung gestellte umfangreiche Excel-Tabelle helfen wird,  diesen Mangel bei der Erstellung eines Findbuches auszugleichen.

Folgende Art von Materialien sind im  AGMO-Archiv dokumentiert:

- Unterlagen über Familienzusammenführungen (der DFK-Aktivisten der ersten Stunde)                                    
- Dokumentation der Einzelschicksale (Aktivisten)
- Korrespondenz mit MdB’s
- Korrespondenz mit Ministerien
- AGMO-Sach- und Situationsberichte
- DFK-Veranstaltungen
- DFK-Weihnachtsaktionen (insbesondere Berichte und Fotodokumentationen)
- DFK-Kulturbulletins in deutscher Sprache (teilweise auch polnische Übersetzung)
- Dokumentation der Warschauer Reisen von Außenminister Genscher und Bundeskanzler Kohl
- Übergabe einer AGMO-Petition an das KSZE-Expertentreffen in Ottawa (1985-86)
- Anträge bei verschiedenen polnischen Gerichten zwecks Verbandsgründungen (ab 1984)
- Gründungsdokument des DFK (1985)
- Vorträge (Manuskripte, Drucksachen)
- Korrespondenzen der AGMO-Mitglieder mit DFK-Aktivisten, die im Untergrund agiert haben
- Ortsgruppenordner (alphabetisch sortiert)
- Projektordner (von der AGMOe.V. finanzierte Projekte)

Abschließend muß noch darauf hingewiesen werden, daß insbesondere in den 80er Jahren keine PC-Datenverarbeitung in der Regel möglich war. Auch die Berichte sowie Vortragsmanuskripte mußten oft handschriftlich verfaßt werden.

Wichtig ist auch zu wissen, daß die seitens der DFK-Aktivisten handschriftlich verfaßten Briefe wichtige Informationen über die Situation vor Ort beinhalteten. Insbesondere die Korrespondenz mit Personen der ersten Stunde, die im Untergrund aktiv waren, nahm Bezug auf prägende aktuelle Ereignisse.

Bei den dokumentierten Vorträgen ist zu beachten, daß Vorträge der bundesrepublikanischen Politiker in der Regel ein Zeugnis darüber abgeben, welchen Stellenwert die menschenrechtliche Betreuung der Einzelschicksale hatte. Auch der Zeitpunkt der Kenntnisnahme über die Entstehung der organisierten Verbände der Ostdeutschen, ist daraus leicht zu erkennen.

Dagegen sind Vorträge und Aufsätze der AGMO/SJ bzw. der AGMO e.V. im allgemeinen ereignisorientiert, was bedeutet, daß darin fast immer Bezug auf aktuelle Entwicklungen, denen die ostdeutschen Landsleute ausgesetzt waren, genommen wird.

Peter Oprzondek
Ehrenvorsitzender der AGMO e.V.

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Die gemeinnützige Gesellschaft wurde 1980 als Arbeitsgemeinschaft Menschenrechtsverletzungen in Ostdeutschland (AGMO) gegründet.
Die AGMO e.V. wurde im Jahre 1990 in das Vereinsregister eingetragen.